Phronesis / Supersilent Review – abenteuerlicher Jazz bis zu 11 Jahre alt.

Zwei kreative, aber sehr unterschiedliche europäische Trios teilten sich am Freitag die Doppelrechnung des Londoner Jazzfestivals. Die in Großbritannien ansässige Phronesis ist Experte darin, die nuancierten Intimitäten des akustischen Pianotrio-Jazz und des percussiongesteuerten Dramas des Rock auszugleichen, während die norwegischen Elektroniker Supersilent improvisierte Klangcollagen und Rohrauschen bevorzugen. Sie drehen auch gerne ihre Überlegungen auf 11 hoch, wie einige wenige flüchtende Börsenspekulanten mit den Fingern im Ohr zeigen, so dass es eine Nacht mit starken Kontrasten war.

Phronesis spielten hauptsächlich Musik von ihrem aktuellen We Are All Album – ein rhythmischeres, weniger melodisch lyrisches Unterfangen als früher für sie, aber voller schnelllebiger Improvisationen. Es ist der Idee gewidmet, dass die zankende Menschheit vor sich selbst – und dem Planeten damit – gerettet werden könnte, wenn sie das Einfühlungsvermögen kultivieren würde, das improvisierende Musiker notwendigerweise haben – aber diese gewichtige Agenda hat die übliche Aufregung der Band nie unterdrückt.

Jasper Høibys muskulöses Kontrabass-Intro verwandelte sich in den unerbittlichen Haken für Breathless, den der Pianist Ivo Neame spiegelte, in einer Gegenmelodie abfragte und dann zu einer Abschöpfung der Improvisation beschleunigte, die, wie sein Spiel oft ist, an den verstorbenen John Taylor erinnert. Der bemerkenswerte Schlagzeuger Anton Eger begann mit einem metallischen Kribbeln der Pinselarbeit, entfesselte dann sein Rennen der ewigen Bewegung um das Kit und etablierte eine sich ständig verändernde rhythmische Kulisse statt eines Grooves. Eine aufsteigende Klavierfigur über tief hämmernden, gestrichenen Bassklängen stellte The Edge vor, das sich zu einem schnellen und perkussiven Drei-Wege-Gespräch beschleunigte. Matrix für DA war ein nervöses, mustertauschendes Rhythmusspiel, Phraternal (ab 2014’s Life to Everything) das anmutige Gegenteil. Phronesis’ 10-jähriges Werk wächst eindrucksvoll weiter.

Die erste Hälfte des Gigs gehörte zu Supersilent, mit seiner ursprünglichen Besetzung von Trompeter Arve Henriksen, Key-Player Ståle Storløkken und Elektroniker Helge Sten (AKA Deathprod). Ihre heftigsten elektronischen Angriffe von paukenartig donnerndem und flugzeugtechnischem Gebrüll sahen einige Zuhörer ab, aber die klangliche Vielfalt war dennoch beträchtlich – von Henriksens Trompetenmischung aus dampfförmigen Seufzern und silbrig-jazzförmigen Kaskaden und seinen geheimnisvollen, jungen Soprangesängen über Storløkkens Fender Rhodes-ähnliche Untermauerung bis hin zu Stens perkussiven Klanglandschaften.